Arbeit mit dem Kompetenzportfolio

Schreiben des Direktors des Landesschulamtes

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

die Veröffentlichung „Pädagogische Diagnostik als Grundbaustein der Arbeit in der Grundschule“ ist nun seit gut einem Jahr in den Grundschulen des Landes im Gebrauch. Wir haben uns in Sachsen-Anhalt verständigt, dass es wichtig ist,

… dass Schulen praktikable Unterstützung bei ihrem Auftrag, die Potenziale aller Kinder fördernd zu entwickeln, erhalten.

… dass Lehrerinnen und Lehrer handhabbare Materialien zur pädagogischen Diagnostik und einer daraus folgenden kompetenzentwickelnden Unterrichtsgestaltung und Förderung ihrer Schülerinnen und Schüler in die Hand bekommen.

… dass mit dem Vorurteil aufgeräumt werden muss, dass der weitgehende Verzicht auf sonderpädagogische Feststellungsverfahren in den Bereichen Lernen und Sprache vor Schuleintritt und in der Schuleingangsphase bedeutet, dass künftig auf Diagnostik und daraus resultierende Förderung verzichten werden soll.

… dass wir Zeit und Energie lieber in die Entwicklung unserer Schülerinnen und Schüler als in die Erstellung vielfältiger Papiere investieren wollen. 

In diesem zurückliegenden Jahr ist jede Menge passiert und ich möchte die Chance nutzen, mich bei Ihnen dafür zu bedanken, dass Sie sich die Zeit genommen haben, sich mit dem Material auseinanderzusetzen.

Mir ist bewusst, dass die Arbeit mit dem Kompetenzportfolio kein Selbstläufer ist, dass auch in dieses Format Zeit und Arbeit investiert werden muss. Besonders die anfängliche Etablierung in der Klasse und in der Schule dauert einige Zeit, zumal sich Lehrkräfte, Kinder und Eltern auf das neue Format der Leistungsdokumentation erst einmal einlassen müssen. Nicht alle damit verbundenen Anforderungen sind sofort komplikationsfrei umsetzbar und trotzdem können wir an vielen Schulen bereits gute Erfolge und positive Wirkungen sehen. Ich möchte Sie darin bestärken, diesen eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen. Dabei ist die Gewissheit wichtig, dass die zugesagten Rahmenbedingungen tatsächlich gelten. Aus vielen Gesprächen mit Ihnen habe ich einen hohen Informationsbedarf zu den erforderlichen Inhalten und zu der Funktion des Kompetenzportfolios entnommen. Deshalb möchte ich auf einige Punkte aus der Veröffentlichung noch einmal besonders verweisen:

Ein gut geführtes Kompetenzportfolio beinhaltet:

1. Protokollbögen, die die Ergebnisse aus durchgeführten Lernstandsanalysen einschließlich der Aufzählung von pädagogischen Angeboten widerspiegeln: In den ersten Schulwochen werden Lernstandsanalysen durchgeführt. Die Ergebnisse werden vertieft durch Analysen von Arbeitsproben, Tätigkeitsprodukten und durch Ergebnisse aus Beobachtungen.

2. Arbeitsproben aus den Lernstandsanalysen und Produkte, die für das Kind von besonderer Bedeutung sind: Hier handelt es sich um vom Kind selbst ausgewählte Materialien. Sie dokumentieren in besonderer Weise persönliche Lernwege, Fortschritte und Anstrengungen. Ziel ist es, sich inhaltlich noch einmal über das Gelernte zu verständigen und Gelungenes anzuerkennen, sich über Erfolge gemeinsam zu freuen.

3. Dokumentationen über Lernentwicklungsgespräche des Kindes mit seinen Eltern und den Lehrkräften: Es soll aufgezeigt werden, wo das Kind in seiner Lernentwicklung angekommen ist, was es als nächstes lernen soll und möchte und welche nächsten Schritte dafür geplant werden müssen und können. Sie legen weiterhin fest, wer für welchen Schritt in welchem Zeitfenster Verantwortung übernimmt.

Ich weise deshalb noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass das Kompetenzportfolio 

 … auch das Dokument ist, auf dessen Grundlage die Klassenkonferenz im Ergebnis einer den Lernprozess begleitenden Diagnostik Lernschwierigkeiten im Lesen, Schreiben/ Rechtschreiben oder Rechnen feststellt und eigenverantwortlich Beschlüsse über die notwendigen Maßnahmen des Nachteilsausgleiches fasst,

… auch vollständig die Funktion des Förder- und/ oder Individualplans erfüllt. Es ist gleichrangig!

… auch den pädagogischen Bericht bei der Antragstellung auf Feststellung eines sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfes ersetzt. Es ist gleichrangig! 

Das Kompetenzportfolio ersetzt damit alle bisherigen Dokumentationspflichten über den Entwicklungsverlauf von Schülerinnen und Schülern mit Ausnahme der Zeugnisse. 

Torsten Klieme
Direktor des Landesschulamtes

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Vorübergehend hat das Landesschulamt mittwochs keine Sprechzeit. Wir bitten im Einzelfall um Terminvereinbarung.

   

 

Das Landesschulamt ist seit dem 29.08.2014 zugelassener Träger nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung AZAV.